Yearly Archive: 2012

Bundespräsident in Bad Belzig

Gauck besucht Asylbewerberheim

von Haiko Prengel

Bundespräsident Joachim Gauck hat am Mittwoch ein Asylbewerberheim in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) besucht.

Bad Belzig – Er sei mit einer „doppelten Botschaft“ gekommen, sagte er zum Auftakt. Die erste richte er an die Menschen, die unter unsäglichen Bedingungen in ihrer Heimat lebten und jetzt hier Asyl suchten: „Dass wir sie wahrnehmen und dass sie uns nicht gleichgültig sind.“ Mit seiner zweiten Botschaft wende er sich an die Menschen im Lande, die oft das Gefühl hätten, die Asylbewerber kämen, um es sich gutgehen zu lassen. „Das sind die allerwenigsten, die meisten wollen arbeiten.“

In dem Wohnheim warten etwa 135 Flüchtlinge darauf, dass die deutschen Behörden über Ihre Asylanträge entscheiden. Das Thema Asyl ist derzeit verstärkt in den Schlagzeilen.

In Berlin campieren seit Wochen protestierende Flüchtlinge. Sie fordern bessere Bedingungen für Asylbewerber in Deutschland. Ein Teil von ihnen war nach Bad Belzig gereist, um am Rande des Gauck-Besuchs für ihr Anliegen zu demonstrieren. Der Bundestag hatte die Aufhebung des umstrittenen
Asylbewerber-Leistungsgesetzes Ende November mit großer Mehrheit abgelehnt. Im Anschluss an seine Visite wollte sich das Staatsoberhaupt mit den Bewohnern zu einem Gespräch zusammensetzen. Ihn begleitete seine Lebenspartnerin Daniela Schadt.

– PNN online 12.12.2012

Botschafter der offenen Herzen

Joachim Gauck besucht Bad Belziger Flüchtlingsheim und wirbt für Toleranz

BAD BELZIG -Masoud Rostami hat sein kleines Zwei-Mann-Zimmer ordentlich aufgeräumt. Auf Socken steht der junge Iraner in der Tür und lächelt freundlich. „Kommen Sie herein“, sagt er zu Joachim Gauck und bittet den deutschen Bundespräsidenten in die bescheidene Unterkunft. Das Staatsoberhaupt darf die Schuhe anbehalten.

„In meiner Heimat war ich Ingenieur, ich würde gerne in Deutschland arbeiten, aber ich darf nicht“, erklärt Masoud Rostami. Der 30-Jährige spricht gut Deutsch. Seit 14 Monaten lebt er als Flüchtling in Bad Belzig und wartet auf seine Anerkennung als Asylant. Sein Zimmergenosse Milad Sadeghi ist seit zwei Jahren hier. „Ich wünsche Ihnen viel Glück und alles Gute“, sagt Gauck und schaut weiter.

Schnellere Verfahren, Erlaubnis zum Arbeiten, Abschaffung der Residenzpflicht – die Sorgen der beiden jungen Perser sind die von vielen der 135 Menschen, die derzeit im Bad Belziger Asylbewerberheim leben.

Kann Joachim Gauck ihnen helfen? „Ich mische mich als Bundespräsident nicht in die Politik ein, aber ich will Anstöße geben“, versprach Gauck. Er hoffe, dass sich die Verfahren verkürzen würden. „Dieses Land braucht Zuwanderung.“ Deutsche dürften keine Angst haben, dass Flüchtlinge ihnen etwas wegnehmen wollten. „Wir müssen unsere Herzen öffnen, das ist meine Botschaft.“

Gauck warb jedoch auch um Verständnis für die Entscheidung der deutschen Behörden, obwohl er es selbst nicht verstehe, wenn innerhalb einer Familie Asylverfahren unterschiedlich ausgehen würden. „Das ist in meinen Augen ein Problem.“

Gleichzeitig lobte der Bundespräsident das Engagement der drei Heimmitarbeiter unter Leitung von Rose Dittfurth. „Es ist beeindruckend, was Sie leisten.“ Der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein betreibt die 1992 eröffnete Einrichtung im Auftrag von Potsdam-Mittelmark. „Herr Gauck hat sich sehr viel Zeit genommen, und war den Menschen zugewandt“, zeigte sich Dittfurth begeistert. „Ich denke, es wird ein Signal geben.“

 

Landrat Wolfgang Blasig (SPD) sprach sich für ein Umdenken in der Asyldebatte aus. „Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz“, sagte er der MAZ. Zudem müsse die große Politik die Kommunen besser unterstützen. „Wir sind als Kreis an unsere Leistungsgrenzen gelangt.“

Joachim Gauck nahm viele Eindrücke mit nach Berlin. „Die Begegnungen waren intensiver, als ich es mir vorgestellt hatte“, erklärte er im Anschluss seines Besuches. „Es ist ein Unterschied, ob man einem Problem begegnet, oder einem Menschen.“ (Von Hermann M. Schröder)

– Maerkische Allgemeine 13.12.2012

Motivation wiederfinden

Initiative „Fit für die Zukunft“ hilft Alleinerziehenden bei der Jobsuche

BAD BELZIG – Heike Hentzschel ist seit gestern Praktikantin im Autohaus Schumann in Bad Belzig. Das sechswöchige Praktikum absolviert die 44-Jährige im Programm „Fit für die Zukunft“, mit dem der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark (AAfV) langzeitarbeitslose, alleinerziehende Menschen individuell unterstützt. Ziel ist es, ihnen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zu helfen.

Die Gründe, aus denen die momentan 22 Teilnehmerinnen aus Bad Belzig, Wiesenburg, Treuenbrietzen und Brück seit April dabei sind, seien ganz unterschiedlich, sagt Koordinatorin Nicole Jänicke. „Manche von ihnen sind ungelernt, andere haben früh Kinder bekommen oder ihre Ausbildung ist sehr lange her. Oft fehlt es den Frauen an Motivation oder sie haben sich mit ihrer Situation abgefunden.“

Ihnen allen stehen die Projektleiterin und Arbeitsvermittlerin Marion Schmok zur Seite. Egal ob Bewerbungstraining, Hilfe bei Fragen der Kinderbetreuung oder Gruppentreffs mit den anderen Programmteilnehmerinnen – es wird auf die Bedürfnisse jeder Einzelnen eingegangen. Und die sind genauso verschieden wie die Lebensumstände der Frauen, die zwischen 20 und 55 Jahre alt sind. „Wir wollen Perspektiven bieten“, sagt Nicole Jänicke. Dafür hole man jeden genau da ab, wo er gerade ist. „Die Motivation der Teilnehmerinnen ist häufig der schwierigste Teil“, weiß Marion Schmok aus langjähriger Erfahrung als Arbeitsvermittlerin. Hilfreich sei es für die Betreuten aber zu sehen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist.

Bei Heike Hentzschel waren Veränderungen im privaten Bereich der Grund für die Arbeitslosigkeit. „Ich musste ich mich wieder finden“, sagt sie. Nun will die alleinerziehende Mutter einer 8-jährigen Tochter beruflich wieder durchstarten. Dabei sei ihr bewusst geworden, dass das nach längerer Zeit ohne Job nicht einfach ist. „Mir hat ein bisschen das Selbstbewusstsein gefehlt, allein auf Betriebe zuzugehen. Da hat mir die Unterstützung sehr geholfen“, sagt die Bürokauffrau.

Die Zusammenarbeit mit Nicole Jänicke und Marion Schmok funktioniere sehr gut. „Man sieht ja auch, dass es gleich mit einem Praktikum geklappt hat“, freut sie sich und hofft, dass es auch danach Möglichkeiten für sie gibt. „Mit meinem Abschluss bin ich in vielen Bereichen einsetzbar und die Arbeit macht mir Spaß“, sagt sie.

Ein Elternfrühstück für Interessierte, bei dem es die Möglichkeit zum Austausch gibt, findet heute ab 9 Uhr im Kinder- und Familienzentrum Bad Belzig, Weitzgrunder Straße 23/25, statt. (Von Stephanie Philipp)

– Maerkische Allgemeine 23.10.2012

Kartons bringen Freude

Freiwilligenkoordinatorin und Kirche unterstützen große Geschenkaktion

BAD BELZIG – Mit bunt gestalteten Schuhkartons und kleinen Aufmerksamkeiten darin soll einmal mehr Kindern in Not ein wenig Freude in der Weihnachtszeit bereitet werden. Der Projektträger, Geschenke der Hoffnung e.V., ruft dazu auf, die wohl weltweit größte Aktion dieser Art zu unterstützen.

Die Evangelischen Kirchengemeinden in Brück und Wiesenburg sowie die Freiwilligenkoordination Potsdam-Mittelmark (AAfV) werden mit Unterstützung von vielen fleißigen Helfern erneut die Sammelstellen für die Schuhkartons im Hohen Fläming sein, informiert Koordinatorin Kornelia Kurschat. Dort und in den Bürgerbüros sind unter anderem die Faltblätter mit allen wichtigen Informationen zur Aktion zu finden. „Die Kartons werden mit Dingen des täglichen Bedarfs und dem, was Kindern Freude macht, gefüllt“, erklärt Kurschat. Beispielsweise können Schulsachen, Hygieneartikel, Kleidung und Spielsachen enthalten sein. Aufgrund strenger Einfuhr- und Zollbestimmungen in den Ländern der Empfängerländer dürfen nur neue Waren und nur bestimmte Süßigkeiten importiert werden. Genaueres ist den Faltblättern zur Aktion zu entnehmen. „Wichtig ist auch“, informiert Kornelia Kurschat weiter, „mit einem Aufkleber zu zeigen, für welche Altersgruppe und welches Geschlecht die Geschenke geeignet sind.

Ist der Schuhkarton möglichst stabil gepackt, kann er zu einer der registrierten Sammelstellen (www.Geschenke-der-Hoffnung.org) gebracht werden. Von dort aus geht er über Sammelstellen und Regionallager in die Empfängerländer. Zur Deckung der Kosten für Transport und Abwicklung empfehlen die Organisatoren der Aktion eine Spende von sechs Euro, die allerdings für die Abgabe der Schuhkartons keine Pflicht sind. Es wird empfohlen, mit den Sammelstellen einen ungefähren Termin für die Abgabe der Schuhkartons zu vereinbaren.

Informationen und Annahme der Schuhkartons bis 15. November bei der Evang. Kirchengemeinde Wiesenburg, Schlossstraße 3, . (03 38 49) 9 01 08; Freiwilligenagentur im Fläming-Bahnhof, Bad Belzig, . (03 38 41) 4 51 16; Evang. Pfarramt in Brück, Straße des Friedens 35, (03 38 44) 5 17 30.

– Maerkische Allgemeine 24.10.2012