Niemand darf hier aufgegeben werden

Niemand darf hier aufgegeben werden

Niemand darf hier aufgegeben werden

Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein braucht stabile Rahmenbedingungen

Kuhlowitz. Die Frage nach der Zukunft einer Region wird in den Köpfen der Einwohner schon mit dem tatsächlichen Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen entschieden. Und damit wird jeder, der Arbeitsplätze schafft, sichert, und damit das Mittelstandssterben, die Abwanderung und letztlich den infrastrukturellen Kollaps verhindern hilft, zum Kernstück der Zukunft.
Neben anderen Akteuren, trifft dies auch für den Ausbildungs- und Arbeitsförderungsverein Potsdam-Mittelmark zu, der am 17. Juni seinen 20. Geburtstag feiert. „Arbeitslose ohne Ende, zumeist aus der Landwirtschaft, und viel mehr Fragen als Antworten.“ So beschreibt Dr. Marie-Luise Vetter die Situation Anfang der 90er Jahre, ehe der Kreistag die Vernetzung verantwortlicher Gremien im Altkreis Belzig anschob. Vetter, heute Geschäftsführerin im Verein, erinnert sich gut an die Zeit, in der Netzwerke nötig und damit Arbeitsförderungsprojekte möglich wurden: „Wo wird was wie gefördert, und welcher Arbeitsloser kommt dank seiner Vorraussetzungen für diese zumeist in Kommunen angesiedelten Tätigkeiten überhaupt in Frage. Das ist eine unserer Aufgaben, heute und auch damals schon“, sagt sie. Ob Rad-und Wanderwege, die „Alte Brennerei“ in Golzow, die Burg Raben oder der Gutshof in Klein Glien, all dies sind Projekte, bei deren Erhalt sich der Verein gemeinsam mit Fachfirmen der Region einbrachte. Und alles dank der durch Bund, Land oder Kreis geförderten Projekte. „Letztlich wäre selbst ein Deutscher Wandertag nicht möglich, wenn unsere in Projekten beschäftigten Arbeitslosen nicht Wege bereitet und beschildert hätten“, mahnt sie mit Blick auf das im kommenden Jahr erwartete Großereignis. Und doch, es hat sich viel geändert im Umgang mit dem Thema „Ausweg aus Arbeitslosigkeit und sozialer Isolation“, meint Vetter. „Der Druck der Bürokratie ist unglaublich geworden. Konzepte, Anträge, Bewerbungsgespräche, Zwischenberichte, Statistiken, Beurteilungen, Abschlussberichte – für ein selbst kleineres Projekt kommen da schnell zwei pralle Ordner Verwaltungsvorgänge zusammen. Bürokratischer Aufwand, der verlangt wird, den aber niemand bezahlen möchte.“ Und das ist kontraproduktiv, wie Vetter weiß: „Diese Papierberge behindern letztlich die Arbeit, die sich eigentlich um die Menschen und Projekte drehen sollte. Sinnvoller wäre es doch, hier Bürokratie abzubauen und statt dessen bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Wir brauchen keine Kürzungen, wir brauchen sichere Rahmenbedingungen.“
Und im Jahr 2011 sollen 1,3 Milliarden Euro weniger in die Arbeitsfördermaßnahmen fließen. Vetter spricht dabei von einem 55-prozentigen Rückgang in der eigenen förderfähigen Projektarbeit im Landkreis. Und das betrifft ausschließlich Harz IV-Empfänger, die kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. „Natürlich gibt es ALG II-Empfänger, die sich mit dem Wenigen eingerichtet haben, aber die meisten wollen zurück in die Arbeit. Diese im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen ist das Ziel. Und jenen, die nicht mehr beschäftigungsfähig sind, in unseren Projekten einen geschützten Raum für die Teilnahme an der Gesellschaft zu bieten, ist ebenso nötig. Niemand darf hier aufgegeben werden“, mahnt sie und denkt dabei nicht zuletzt an den demografischen Wandel im Landkreis. „Wenn Handwerksbetriebe dicht machen müssen, statt sich auf die Zukunft vorzubereiten, läuft was schief. Und wenn erst einmal keine ausreichende Infrastruktur mehr da ist, wen soll man da denn noch in die ländlichen Regionen locken“, fragt Vetter.
Weitere Informationen zu Arbeitsmarkt- und Sozialservice des Vereines erhalten Sie auch per Telefon 033841 / 38870. fdk

– Blickpunkt 03. März 2011

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