Yearly Archive: 2010

Mehr Flüchtlinge in Bad Belzig

POLITIK: Ansturm von Asylbewerbern

Potsdam-Mittelmark muss mehr Flüchtlinge aufnehmen / Plätze in Bad Belziger Heim werden knapp

BAD BELZIG – Immer mehr Menschen fliehen vor dem Krieg in Afghanistan und dem Terrorregime in Iran: Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist deshalb deutlich angestiegen. „Wir beobachten einen verstärkten Zuzug, vor allem von Menschen aus dem arabischen und persischen Raum“, sagt Gertrud Meißner. Sie ist die Leiterin des zuständigen Fachdienstes Soziales und Wohnen im Bad Belziger Landratsamt. „Für das kommende Jahr wird weiter eine Zunahme erwartet“, erklärt Gertrud Meißner.

Nach Aussagen von Landrat Wolfgang Blasig (SPD) geht der Kreis Potsdam-Mittelmark für das laufende Jahr von einem Zuzug von 79 Flüchtlingen aus. „Im Jahr 2009 waren das noch 59 Personen“, berichtet er. Die Zentrale Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt (Märkisch-Oderland) habe bislang allerdings nur knapp 40 Asylbewerber geschickt. „Der Landkreis hat eine festgeschriebene Verteilungsquote von jährlich 7,9 Prozent aller im Land Brandenburg aufzunehmenden Flüchtlinge“, erklärt Blasig. Treffen die Prognosen zu, wird es bald eng im Bad Belziger Übergangsheim. „Wir müssen nun überlegen, wie wir die Menschen unterbringen“, sagt Gertrud Meißner. Beratungen dazu gebe es bereits.

In der Einrichtung am Weitzgrunder Weg in Bad Belzig leben derzeit rund 95 Personen. Vielleicht sind es auch nur 90. „Die Zahl schwankt sehr stark“, berichtet Marie-Luise Vetter, Geschäftsführerin des Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereins Potsdam-Mittelmark (AAfV), als sie diese Daten bekannt gibt. Der AAfV betreibt im Auftrag der Kreisverwaltung die Einrichtung. Sie hat laut Vetter derzeit 100 Plätze. „Ich sehe im Moment kein Problem, wir versuchen, Familien verstärkt in Wohnungen unterzubringen“, sagt sie. Das sei besser für das Zusammenleben, so Vetter.

Schon jetzt leben viele Antragsteller außerhalb des Übergangswohnheimes. „In Bad Belzig sind derzeit insgesamt 150 Asylbewerber angemeldet, hinzu kommen noch einmal 30 in anderen Orten des Landkreises“, berichtet Gertrud Meißner.

Wie hoch die Mehrkosten für die Zunahme des Flüchtlingsstromes ausfallen wird, ist derzeit noch unklar. Doch schon jetzt sind sie immens. Verwaltungsangaben zufolge muss der Kreis allein für das Jahr 2010 rund 935 000 Euro für soziale Leistungen sowie 405 000 Euro für die Unterbringung von Asylbewerbern zahlen. „Für die Betreuung und soziale Beratung sind rund 162 000 Euro vorgesehen“, sagt Gertrud Meißner. Der Kreis finanziere dem AAfV dafür zwei volle Stellen. (Von Hermann M. Schröder)

Märkische Allgemeine 11. Dezember 2010

Bilanz „Aktiv für Arbeit“

PROJEKT: 6175 Stunden Bildung organisiert

Mittelmärkischer Arbeitsförderungsverein zieht nach fünf Jahren „Aktiv für Arbeit“ Bilanz

ZIESAR – Arbeitsplätze kann „Aktiv für Arbeit“ nicht aus dem Hut zaubern, aber das Projekt hilft Langzeitarbeitslosen und jenen, die keine Leistung beziehen, aus dem schwarzen Loch zu kommen, wieder Mut zu fassen, sich richtig zu bewerben und fit für die Zukunft zu machen.

Seit gut fünf Jahren betreut der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark (AAfV) dieses Projekt, das aus Landesmitteln und dem europäischen Sozialfonds finanziert wird, als einer von landesweit 18 Trägern. Gestern zog Projektleiter Winfried Hoffmann im Glassaal der Burg Ziesar vor rund 40 Vertretern aus Kommunen und Ämtern Bilanz. Mit Regina Merker und Barbara Doster stehen ihm zwei Mitarbeiterinnen zur Seite – jede in einer anderen Region.

In den fünf Jahren haben sich 1375 Frauen und Männer für „Aktiv für Arbeit“ entschieden, von denen 124 auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten. Andere machten sich selbstständig, suchten sich einen Mini-Job oder üben ein Ehrenamt aus. Über einige Erfolgsgeschichten und Erfahrungen wurde in der gestrigen Diskussion berichtet. Bisher sind 6175 Unterrichtsstunden in etwa 20 wechselnden Modulen organisiert worden. Dabei konnte man sich auf einen Pool von 30 Dozenten stützen. Feste Angebote sind unter anderem PC-Training, die Bereiche Lebenshilfe, Persönlichkeit/Motivation, Bewerbung und die Goldschmiede in Kuhlowitz. Aber auch gesunde Ernährung oder Outfit gehören zu den Offerten. Als Unterschied zu anderen Programmen nennt Hoffmann die Freiwilligkeit und den hohen Grad an individueller Zuwendung. Denn neben Workshops und Seminaren, die sich die Teilnehmer selbst aussuchen, werde viel Wert auf Einzelbetreuung gelegt. „Wir können uns mehr Zeit für die Leute nehmen und setzen niemanden vor die Tür, egal wie oft er kommt.“ Die Verweildauer liegt bei sechs Monaten, kann aber auch darüber hinaus gehen. „Die psychische und physische Kompetenz zu entwickeln ist wichtiges Anliegen“, betont der Projektleiter. Dabei gehe es auch um Stärkung des Selbstwertgefühls. „Denn das Leben macht nicht nur Sinn, wenn man arbeitet.“ Indes stünden die Menschen nicht Schlange. Auch die fehlende Mobilität auf dem Lande sei ein Problem. Erstmals in diesem Jahr und mit 15 Teilnehmern erfolgreich gelaufen sei der Erwerb des Kassenpasses, um im Großmarkt oder im Lager eigenverantwortlich eingesetzt werden zu können.

AAfV-Geschäftsführerin Marie-Luise Vetter mahnte vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung an, über Trägergrenzen hinweg Projekte besser und transparenter abzustimmen. Wie beim Kassenpass plädierte sie für die Entwicklung „arbeitsnaher Module“, die teils bereits angeboten wurden. Als Beispiele nannte sie Fremdsprache fürs Büro oder Qualifizierung für die Sicherheitsbranche. „Potenzen ausschöpfen heißt aber auch, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren.“ Dazu zählt sie Wirtschaftsunternehmen, kommunale Verwaltungen, aktive Vereine. Umso bedauerlicher fand es Vetter, dass von der Agentur für Arbeit und der Hartz IV-Behörde Maia trotz Einladung gestern niemand da war. Aus ihrer Sicht müsste dort mehr von diesem Projekt berichtet und nach Ablauf des halben Jahres gemeinsam nach weiteren Ansätzen geschaut werden, die auf den ersten Arbeitsmarkt führen. Mit dem Netzwerk für ambulante soziale Dienste und der Koordinatorin für bürgerschaftliches Engagement arbeite man eng zusammen. Neu sei die Mitgliedschaft im südbrandenburgischen Netzwerk „Perspektive Wiedereinstieg“. „Berichten sie über unser Projekt“, appellierte sie an die Anwesenden. „Aktiv für Arbeit“ läuft bis Ende 2010, wobei der AAfV auf Verlängerung hofft.

„Wenn ein Projekt wie dieses auf anderthalb Jahre angelegt war und nun fast sechs Jahre besteht, zeugt das von Qualität“, so Vize-Landrat Christian Stein, der seine Unterstützung zusicherte. Vereinsvorsitzende Evelyne Vogel nutzte die Chance, um für den AAfV, der nächstes Jahr 20. Geburtstag feiert, Mitglieder im Speckgürtel zu werben. „Denn dort sieht es noch dürftig aus“, sagte sie und brach eine Lanze für die Kooperation mit der Peripherie. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine 11. November 2010

Assistierte Arbeitsvermittlung für Alleinerziehende

Am 29.09.2010 startete im Ratssaal in Bad Belzig das im Rahmen des Regionalbudgets IV finanzierte EU-Projekt „Assistierte Arbeitsvermittlung für Alleinerziehende“. Projektlaufzeit ist vom 01.09. 2010 bis zum 31.08.2011.

Das Projekt ist ein Dienstleistungsangebot zur Unterstützung von arbeitssuchenden Alleinerziehenden beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach Elternzeit bzw. längerer Kinderbetreuungsphase.
Dabei arbeitet der AAfV besonders eng mit den persönlichen AnsprechpartnerInnen der MAIA zusammen.
Nach den bisher durchgeführten individuellen Kennenlerngesprächen gemeinsam mit der MAIA seit dem 01.09. 2010 haben sich 18 allein erziehende Mütter und drei Väter entschieden, die Unterstützung in diesem Projekt zu nutzen.

Die TeilnehmerInnen erhalten eine sehr individuelle Beratung, Betreuung und Begleitung durch erfahrene Sozialpädagoginnen und die Arbeitsvermittlerin des AAfV. Individuell zugeschnittene Bildungssequenzen, aufsuchende Beratung, Unterstützung bei Kinderbetreuungsproblemen, Zusammenwirken mit für diese Zielgruppe relevanten Beratungspartnern, Sensibilisierung von Wirtschaftsunternehmen, Begleitung bei Praktika und während der Probezeit nach Arbeitsaufnahme sind weitere wichtige Bestandteile der Dienstleistung.

Ansprechpartner beim AAfV ist die Projektleiterin Frau Monika Stoltmann Tel: 033841/388731 e-mail: stoltmann@aafv.de

ARBEITSFörderung: Strategiepapier beschlossen

ARBEITSFörderung: Strategiepapier beschlossen

Kuhlowitz – Der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark (AAfV) e.V. möchte stärker als bisher Dienstleistungen erbringen. Das sagte Vorsitzende Eveline Vogel nach der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche.

Dort ist ein Strategiepapier zur künftigen finanziellen und strukturellen Sicherung des Vereins verabschiedet worden. Anlass dafür sind die Einsparungen in der Arbeitsförderung, von denen der AAfV maßgeblich betroffen ist. So waren Umsatzverluste in Höhe von einer Million Euro in diesem Jahr beklagt worden (die MAZ berichtete).

Dennoch wird sich der AAfV der Fachkräftesicherung in der Region widmen. Auftragsgemäß liegt das Augenmerk auf der Klientel, die schwer in dauerhafte Beschäftigung zu vermitteln ist. In Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bildungsträgern sollen vereinseigene Werkstätten und Computerkabinette genutzt werden, um deren betriebsnahe Ausbildung mit der Strukturförderung im Hohen Fläming zu kombinieren, informierte die Vorsitzende.

Darüber hinaus werde sich der AAfV weiter den bewährten Arbeitsfeldern widmen. Im Bereich Sozialservice nannte die Vereinschefin die Führung des Übergangswohnheimes in Bad Belzig und der Freiwilligenagentur. Nicht zuletzt werde die Burg Rabenstein mit Herberge und Ausschank in gewohnter Weise fortgeführt.G. N.

– Märkische Allgemeine 24. März 2011