Yearly Archive: 2005

Jahres-Chronik

2005

Weitere vorbereitende Arbeiten in der Naturlandschaft Döberitzer Heide

Die Döberitzer Heide, bereits 1995 war der AAfV in einer dreijährigen Maßnahme in die Entwicklung dieser einzigartigen Naturlandschaft integriert, soll zum Naturparadies gestaltet werden. Zehn Teilnehmer einer ABM haben in der Zeit vom  01.07. bis zum 31.12. mitgeholfen, das Areal zu einer Naturschutz- und Erlebniszone und damit auch zu einem touristischen Anziehungspunkt werden zu lassen.
Als erster Schritt wurde ein ca. 3 km langer Weg, von Krampnitz bis zur Schafdammbrücke, von Müll und Unrat beräumt und wilde Plakatierungen entlang der Strecke beseitigt. Ferner wurden weitere unwegsame Stellen im Wegebereich erfasst. Die Arbeiten dienten der Vorbereitung weiterer Investitionen, wie Wegebau, Schaffung von Aussichtsplattformen und Rastplätzen.

Die Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz, Elona Müller, übergab am 08.12. den ersten von Müll und Unrat befreiten Bereich der Heide an den Geschäftsführer der Sielmann Naturlandschaft GmbH, Lothar Lankow. Sie verband damit ihren Dank an den AAfV und die beteiligten Teilnehmer der Maßnahme, die innerhalb der Projektzeit ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Beweis stellen konnten. Sie haben den Anfang gemacht, um das weite Gelände von vielfältigem Unrat, Müll, Totholz, Schrott, Militärmüll und Abfällen jeglicher Art zu befreien. Dabei kamen ca. 500 Kubikmeter Unrat zusammen, darunter auch Stiefel, Jacken, Schränke, Bettgestelle und Reste von Lastkraftwagen.
Die Sielmann GmbH beteiligte sich an der Übernahme der Kosten für die ordnungsgemäße Entsorgung der gesammelten Materialien. Die Arbeit der Teilnehmer wurde von diesem Unternehmen gelobt und eine Weiterführung ähnlicher Maßnahmen, in enger Abstimmung mit der PAGA, in Aussicht gestellt. “Langzeitarbeitslose sollen die Chance einer sinnvollen Tätigkeit haben”, so Elona Müller.

Weiterführende Arbeiten wurden 2006 durchgeführt, hier im Bereich Südtor bis Speckdammbrücke. Einen Beitrag für die Umsetzung dieser Ziele leisteten sieben Teilnehmer von April.bis Oktober. Auf dem zukünftigen Wanderweg und in Sichtweite des Wegebereiches wurde Müll und anderer Unrat gesammelt sowie zur fachgerechten Entsorgung und zum Abtransport vorbereitet.
Das waren keine leichte Aufgaben. Fahrtrassen für den Müllabtransport und der teilweise eingewachsene Unrat, wie Karosserien und Militärfahrzeugteile, mussten teilweise mit der Kettensäge freigeschnitten werden und wegen der Naturschutzauflagen war für alle Arbeiten ein sehr hoher manueller Aufwand erforderlich. Die durchgeführten Maßnahmen unterstrichen einmal mehr den Willen zur Zusammenarbeit zwischen der Landeshauptstadt, der Sielmann Naturlandschaft GmbH und dem AAfV.

Die Döberitzer Heide besteht heute aus einer inneren Wildkernzone, sie hat eine Größe von 1.860 ha, und einer äußeren Naturerlebniszone. In der Wildkernzone, sie ist zum Schutz der Tiere mit einem dreifachen Zaun umgeben, entwickeln sich ausgesetzte Tiere wie Rothirsche, Wisente und Przewalski-Pferde unbeeinflusst vom Menschen. Sie sollen das Gelände vor dem Zuwachsen bewahren und damit für den Erhalt der Landschaft sorgen.
Die Naturerlebniszone verläuft um die Ringzone mit einem Rundwanderweg, sowie Rast- und Aussichtsplätzen. Im Nordwesten befindet sich ein Schaugehege mit einer Fläche von etwa 31 ha. Durch die Anlage führt ein 3 km langer Wanderweg, von dem aus Besucher die Tiere sehen können. Ein kleiner Teil von etwa 800 Hektar im südlichen Bereich der Döberitzer Heide wird noch als Übungsplatz von in Berlin und Potsdam stationierten Einheiten der Bundeswehr genutzt.

AKTIV FÜR ARBEIT  – ein Projekt mit Erfolg

Der AAfV hat den Zuschlag für das Projekt „Aktiv für Arbeit“ bekommen. Gefördert durch das Land Brandenburg und des Europäischen Sozialfonds und begonnen im Juli 2005, wendet es sich an die Gruppe der Arbeitslosen, die keine Leistungen beziehen und an Empfänger von ALG II, darunter insbesondere Frauen. Im Gegensatz zu anderen Projekten, beruht dieses auf absolute Freiwilligkeit der Teilnehmer. Die Teilnahme am Projekt ist kostenfrei und Fahrgeld wird erstattet.

Ziele des Projektes sind vor allem die Wiederherstellung und der Erhalt der individuellen Beschäftigungsfähigkeit der genannten Zielgruppen sowie die Erhöhung der Chancen der Teilnehmer auf Integration in reguläre Beschäftigung oder andere Auswege aus der Erwerbslosigkeit zu finden. In erster Linie aber sollen die Betroffenen über diese Maßnahmen, die für die einzelnen drei bis sechs Monate dauern, wieder Mut fassen. „Wir nehmen uns für jeden Teilnehmer Zeit“ – das steht im Mittelpunkt der Arbeit des Projektteams unter der Anleitung von Winfried Hoffmann. Ihm zur Seite stehen Barbara Doster und Regina Merker sowie, für die finanztechnische Abwicklung, Ingrid Mantau.

Vorerst war das Projekt für 18 Monate geplant, mittlerweile befindet es sich im sechsten Jahr. Daran lassen sich Erfolg und Notwendigkeit erkennen. Je nach Vorkenntnissen und Neigungen werden für die Teilnehmer individuelle Handlungs- und Hilfskonzepte erstellt. Umgesetzt wird das vor allem durch die Verbindung von modularen Qualifizierungsinhalten (Bewerbungs- und Persönlichkeitstraining, PC- und Sprachmodule) und individueller Beratung und Unterstützung zum beruflichen Wiedereinstieg bis zur Vermittlung in Arbeit.

Die Mitarbeiter des Projektteams sind bestrebt, den Teilnehmern in jeder Seminar- und Bildungsreihe neue und interessante Angebote zu unterbreiten. Wahlweise erlernen sie den Umgang mit dem PC für Einsteiger und Fortgeschrittene. Auch die Teilnehmer, die bereits Erfahrungen mit ähnlichen Weiterbildungen hatten, waren begeistert. Neben diesen Schulungen werden Grundlagen im Arbeits- und Sozialrecht vermittelt, auch Alltagshilfe, Outfitkurse und Werkstattarbeit. Daneben auch variable Themen – Änderungen in der Straßenverkehrsordnung, Neues in der Ersten Hilfe, Ernährungsberatung und Verbraucherschutzfragen.
Angeboten werden Beratung und Einzelfallbetreuung an mehreren Standorten im Landkreis Potsdam-Mittelmark, aber auch in Potsdam. Die Kurse finden in Kuhlowitz und Potsdam statt.
Das diese allein keine neuen Jobs schaffen, ist klar. Zumindest aber sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Ein beruflicher Wiedereinstieg rückt dadurch ein Stück näher. Und außer der Theorie werden auch Praktikumsplätze in Betrieben vermittelt. Mit neuen Erfahrungen und der, wenn auch vorübergehenden, Integration in eine Beschäftigung lassen sich eher Auswege aus einem Erwerbslosen-Dasein finden.

Die Mitarbeiter des Projektteams können nach über fünf Jahren auf eine erfolgreiche Arbeit zurück blicken. Ende 2010 konnte Zwischenbilanz gezogen werden. Zwischen Havel und Fläming haben seit 2005 exakt 1375 Frauen und Männer an den Kursen teilgenommen. Das war nicht immer leicht für Arbeitslose, die mitunter über viele Jahre ohne Arbeit und vor allem Kontakt waren.
124 Personen konnten im Anschluss in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Andere nahmen einen Mini-Job auf, wechselten in die Selbstständigkeit oder eine andere Bildungsmaßnahme oder wurden ehrenamtlich tätig. Es sind 6175 Unterrichtsstunden in etwa 20 wechselnden Modulen organisiert worden. Dabei konnte man sich auf einen Pool von 30 Dozenten stützen.
Von den vielen Teilnehmern wurde und wird dieses Projekt auch weiterhin positiv angenommen. Es besteht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Projektteam, aber auch zwischen den Teilnehmern selbst. Das Training regt sie an, über berufliche Möglichkeiten nachzudenken und auch neue Wege in Betracht zu ziehen.

Winfried Hoffmann ist zum 31.12.2010 aus dem Team ausgeschieden, es wird seit 2011 durch Barbara Weber angeleitet.

Unterstützende Arbeiten beim Abbau und der Umsetzung einer Bockwindmühle

Der Stadt Beelitz verfügt über eine Bockwindmühle, ein touristischer und kultureller Anziehungspunkt des Ortes. Aus Gründen der Verkehrssicherheit musste sie von ihrem einstigen Standort weichen.
Zur Unterstützung dieses Vorhabens wurde eine ABM ins Leben gerufen, sie begann im Juli. Sechs Teilnehmer waren für 10 Monate bei der Vorbereitung der Rekonstruktion und der Umsetzung der aus dem Jahre 1792 stammenden Mühle beteiligt.
Mit der Errichtung an einem neuen verkehrsgünstigen Standort – im Kreuzungsbereich zweier Bundesstraßen, der B 2 und B 246 – entstand ein weithin sichtbarer touristischer Anziehungspunkt, wodurch sich die Attraktivität der Spargelstadt weiter erhöhte. Das Vorhaben wurde mit Unterstützung des Amtes für Flurneuordnung und ländlicher Entwicklung Brieselang realisiert.

Der Aufgabenbereich der Teilnehmer war vorerst die Mitwirkung bei der Demontage der Mühle. Hierzu zählte der Ausbau der alten Maschinenanlagen, deren Pflege und Konservierung sowie die Vorbereitung für den Transport. Balken und andere Bauteile wurden sortiert und katalogisiert. Am neuen Standort erfolgte vorab die Beseitigung von Müll und Altablagerungen sowie deren Bereitstellung für eine artgerechte Entsorgung. Ebenfalls wurde bei der Schaffung des Mühlenhügels, dem Anlegen der Freifläche und der Wege um die Mühle herum und schließlich der Montage der Mühlenteile unterstützt. Der Wiederaufbau selbst erfolgte durch ein Wirtschaftsunternehmen.

Jugend lernt für das Bauhandwerk am Schloss Schmerwitz

Das Schloss Schmerwitz ist ein wichtiges denkmalgeschütztes Objekt, doch leider sehr sanierungsbedürftig. Bevor erforderliche Bauinvestitionen getätigt werden konnten, musste das Objekt von Überformungen, überflüssigen Belägen, Müll und Bauresten befreit werden.
Das Vorhaben war bestens geeignet, um im Rahmen der Arbeitsförderung mit Jugendlichen unter 25 Jahren eine Sanierung vorzubereiten und dabei gleichzeitig Arbeitsfähigkeit, Arbeitsmotivation und Berufsorientierung zu beobachten sowie, kombiniert mit einer arbeitsbegleitenden Qualifizierung, gezielt zu beeinflussen. Das Vorhaben begann im November in einer sechsmonatigen ABM mit 14 jugendlichen Teilnehmern. Sie wurden mit alter Bausubstanz und möglichen  Bauverfallsschäden konfrontiert und lernten durch Beschreibungen von einem Fachbegleiter vor Ort, wie diese beseitigt werden können. Hausschwamm, Nässe, Salpeterschäden und Holzschädlinge, das sind nur einige Beispiele.
In einem begleitenden Theorieunterricht erhielten die Teilnehmer nicht nur einen Intensivkurs mit modernen Bewerbungsstrategien, sondern wurden mit verschiedenen handwerklichen Varianten des Umgangs mit alter Bausubstanz vertraut gemacht und lernten verschiedene Gewerke des Bauhaupt- und Baunebengewerbes kennen. Sie wurden so in einem straffen Arbeitsregime für Leistungsanforderungen im regulären Arbeitsmarkt trainiert.

Grundlegende Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit, Flexibilität und logisches Denken wurden beobachtet und bewertet sowie mit theoretischer Kenntnisvermittlung ergänzt. Nach Abschluss der Maßnahme war auf der Basis einer Potenzialanalyse eine Eignungsfeststellung eines jeden Jugendlichen mit weiterführenden Empfehlungen möglich. 

Ein internationales Essen in Kuhlowitz

Seit Mitte 2003 ist das Übergangswohnheim für Asylbewerber in Trägerschaft des AAfV. Bei verschiedenen Zusammenkünften reifte auf beiden Seiten, der Mitarbeiter des Vereins und der Bewohner des Heimes, der Wunsch, mehr voneinander zu erfahren. Dies nahmen die Sozialarbeiterinnen zum Anlass und organisierten im November ein Treffen, zu dem alle Interessierten nach Kuhlowitz eingeladen waren. Umrahmt wurde dieses Treffen durch ein internationales Buffet mit landestypischen Speisen, das die Heimbewohner vorbereitet hatten.

Bereits am frühen Morgen wurde fleißig gekocht und gebacken. Die Zutaten für die Speisen und alle anderen Materialien wurden den Asylbewerbern zur Verfügung gestellt. Durch die Unterstützung der Mitarbeiter des Heimes sowie der Schlossschänke in Wiesenburg, die die technischen Geräte zur Verfügung stellten, konnte die logistische Herausforderung des Transportes vom Heim nach Kuhlowitz bewältigt werden.

Die schmackhaften und vielfältigen Gerichte aus Vietnam, Kamerun, Pakistan, Indien, Irak, Bosnien und Afghanistan wurden dann in Kuhlowitz zu einem liebevollen Buffet zusammengestellt. Alle Köche waren anwesend und stellten ihre Gerichte und Rezepte vor. Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Mitarbeiter des AAfV waren begeistert und voll des Lobes für die Akteure. Und so manche guten Vorsätze zum Abnehmen wurden an diesem Tag einfach ausgesetzt. Und nach der „Schlacht am Buffet“ folgte ein Austausch über internationale Rezepte und Gepflogenheiten beim Essen in den verschiedenen Ländern.
Das Treffen war ein gelungener Auftakt für weitere gemeinsame Aktivitäten. 

Das Weihnachtspostamt in Pritzerbe

Der Weihnachtsmann wohnt nicht im Havelstädtchen, sondern im tiefen Wald. Wie soll er dort von den Wünschen der vielen kleinen und manchmal auch großen Kinder erfahren. Ganz einfach, er hat beim AAfV fleißige Helfer.

Seit der Eröffnung des „Weihnachtspostamtes Pritzerbe“ im Jahr 2005 haben weit über 2000 Kinder, und auch Erwachsene, geschrieben und natürlich eine Antwort vom Weihnachtsmann erhalten. Es wurde anfangs für die Regionen Beetzsee und Kloster Lehnin ins Leben gerufen.
Die Idee dazu hatte Werner Liehr, Regionalkoordinator des AAfV im Bereich Brandenburg, Wie die anderen Weihnachtspostämter auch, ist es eine Einrichtung, an die vor allem Kinder während der Vorweihnachtszeit Briefe richten können. Und bei den Kleinen entsteht tatsächlich der Eindruck, sie würden mit dem Weihnachtsmann in Kontakt stehen. Das besondere am Postamt, es ist in unserer Region – das einzige seiner Art im Landkreis – und es gibt zum anderen über 20 selbstgeschriebene Weihnachtsgeschichten als Antwortschreiben vom Weihnachtsmann.
Die viele Mühe bei der Vorbereitung und Durchführung der Aktion ist schnell vergessen, wenn man die schön dekorierten Briefe der Kinder lesen kann und sich vorstellt, wie ihre Augen leuchten, wenn sie eine Antwort vom Weihnachtsmann erhalten.
Meistens waren es die obligatorischen Wunschzettel der Kinder mit der Bitte nach genau genannten Spielzeug, Süßigkeiten oder sonstigen Dingen. Manche Kinder schütten den Weihnachtsmann in ihren Briefen auch ihr Herz aus. So waren Wünsche nach Frieden, Gesundheit, Geborgenheit, einer „richtigen“ Familie aber auch nach besseren Noten in der Schule keine Seltenheit. Oft war es aber auch nur der Wunsch nach einer weißen Weihnacht.
Der „weihnachtliche Service“ wird aber auch von vielen Erwachsenen für Weihnachtsgrüße an Freunde, Verwandte und Bekannte genutzt. Jeder Brief, der bis spätestens 19. Dezember eingeht und Rückporto enthält, wird garantiert beantwortet. Von Schulen und Kitas werden die Briefe abgeholt und auch wieder gebracht. Natürlich hat das Postamt auch einen speziellen Entwertungsstempel. Dieser hat zwar keinen philatelistischen Wert, hebt aber die Briefumschläge optisch heraus und bereitet schon vor dem Öffnen sehr viel Freude.

Die Weihnachtspostfiliale hat sich mit den Jahren in der Region herumgesprochen. Wurden anfangs 2005 insgesamt „nur“ 70 Zuschriften registriert, waren es in den letzten Jahren jeweils über 500 Briefe. Erstmals wurde diese Aktion im Jahr 2008 auch durch die Mittelmärkische Arbeitsgemeinschaft zur Integration in Arbeit unterstützt. Es wurde jeweils eine Teilnehmerin für 2 Monate in eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung zugewiesen, die gemeinsam mit Werner Liehr die Post beantwortete. Und jedes Jahr bis zum 30.11. kommt der Weihnachtsmann persönlich mit der Fähre nach Pritzerbe, um zu sehen, ob seine Helfer auch wirklich fleißig sind.
Leider öffnete das Postamt 2009 das letzte Mal seine Pforten.