Jahres-Chronik

Jahres-Chronik

2002

Satzungsänderung des Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Belzig e.V.

Anlässlich einer Mitgliederversammlung am 19.02. wurde beschlossen, die bestehende Satzung im § 1 zu ändern. Der Verein führt nunmehr den Namen “Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark e.V.”

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark entstand am 06. Dezember 2003 im Rahmen der Kreisreform durch Zusammenlegen der Landkreise Belzig, Brandenburg-Land und Potsdam-Land. Die territoriale Ausweitung der geschäftlichen Tätigkeit des Vereins erstreckt sich nahezu auf das gesamte Gebiet des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Mit der Namensänderung wird der Bedeutung und der Größe des Vereines besser Rechnung getragen.

Ein EU-Projekt – die  „Gemeinschaftsinitiative EQUAL“

EQUAL (= gleich) heißt die konzertierte Aktion gegen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, das im Jahr 2002 in allen EU-Mitgliedsländern startete. Damit der Staatenbund, wie auf dem Stockholmer Beschäftigungsgipfel beschlossen wurde, zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werde und alle Bürger daran teil hätten.

Zu den vier Säulen Beschäftigungsfähigkeit, Unternehmergeist, Anpassungsfähigkeit und Chancengleichheit konnten sich größere Regionen um eine Teilnahme an diesem Projekt bewerben. Gemeinsam mit den ähnlich strukturschwachen Landkreisen Elbe-Elster und Prignitz hat Potsdam-Mittelmark zehn Teilprojekte zur Chancengleichheit auf die Beine gestellt. Das Projekt zielte zudem auf das politische Bewusstsein der Wirtschaft. Flexible Arbeitszeiten, Mobilität von Frauen, betriebliche Kinderbetreuung und Arbeitsteilung durch Teilzeitarbeit, auch bei Männern, standen im Mittelpunkt der Projekte.

Durch den AAfV wurden zwei Teilprojekte im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative realisiert. Hierbei handelte es sich einmal um die Zukunftswerkstatt Kind-Beruf-Familie, das Mitte 2002 begann. Ziel war es, von ca. 120 Teilnehmern, vorrangig Personen in Elternzeit, Berufsrückkehrer und Alleinerziehende, mindestens 30 individuell so zu unterstützen, dass eine Integration in Arbeit, Ausbildung, Umschulung oder Praktikum möglich wird. Parallel dazu waren kleine und mittelständische Unternehmen der Region für familienfreundliche Maßnahmen zu sensibilisieren und zu aktivieren.

Es haben Gespräche in 22 Unternehmen stattgefunden. Davon wurden 12 Unternehmen, vorrangig mit hohem Frauenanteil und in Schichtarbeit, zum Thema sensibilisiert. In 5 Unternehmen wurden Befragungen durchgeführt und eine Ist-Analyse erstellt. Diese wurde der Geschäftsführung präsentiert. Handlungsfelder und Tendenzen wurden erkennbar, gemeinsam ausgewertet, und es konnten Einzelfalllösungen geschaffen werden.
Zwischen den klein- und mittelständischen Unternehmen und dem Betreuerteam entwickelte sich eine sehr aktive Zusammenarbeit. Dadurch war es möglich, zügig und passgenau Praktika und betriebliche Maßnahmen für die Teilnehmer zu organisieren und Dozenten für Weiterbildungsmaßnahmen zu gewinnen.

Am Ende konnten sich die Ergebnisse sehen lassen. Von 101 Teilnehmern im Projekt, davon 88 junge Mütter und 13 junge Väter im Alter von 21 bis 44 Jahren, konnten 18 in Arbeit und Ausbildung vermittelt werden, 11 in eine geringfügige Beschäftigung. Unterstützung konnte auch Einzelfällen gegeben werden, zum Beispiel beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit, durch Teilzeitarbeit, einer Nebentätigkeit, durch Einsatz in Praktika bzw. betriebliche Trainingsmaßnahmen. Alternative Kinderbetreuung in Notfällen wurde organisiert. Aber auch bei familienrelevanten Themen konnte geholfen werden, bei der Mobilität einzelner Teilnehmer und sogar bei Familienfeierlichkeiten.
Mit zwei durchgeführten sechswöchigen Trainingsmaßnahmen während der Projektzeit wurden 41 Berufsrückkehrer beim Wiedereinstieg in das Berufsleben unterstützt. Durch die dem Arbeitsmarkt angepasste Vorstellung von beruflichen Alternativen wurde das Interesse für Neuorientierung geweckt und zu mehr Flexibilität motiviert.

Beim zweiten Teilprojekt handelte es sich um die Integration von An- und Ungelernten mit Erziehungsverantwortung in kleine und mittelständische Unternehmen. 80 Teilnehmer mit Kindern sollten durch individuelles Coaching und Profiling befähigt werden, ihre Stärken, Neigungen und persönliche Ressourcen real zu erkennen. Die Zielsetzung wurde sowohl quantitativ mit 111 Teilnehmern im Projekt als auch qualitativ erfüllt. Durch die Modifizierung der Wiedereingliederung über verschiedene Stufen konnte ebenfalls die Zielstellung , 18 Teilnehmer zu integrieren, erreicht werden.

Diese Erfolge wurden durch das “Training nach Maß” und die daran anschließende ganzheitliche Einzelfallbetreuung erreicht. Grundlage des entwickelten sechswöchigen Qualifizierungsmoduls mit Assessment und Potenzialanalyse war eine gründliche Analyse der Situation und Bedürfnisse der Teilnehmer.
Im Verlaufe des Trainings wurde deutlich, dass die Mehrzahl der Teilnehmer über Ressourcen verfügt, die jedoch durch lange Arbeitslosigkeit verschüttet waren und durch Frust und Resignation kaum aufgedeckt werden konnten
Im Mittelpunkt der Diskussionen und Vorträge standen neben Berufsbildern immer wieder die Schlüsselqualifikationen des heutigen Arbeitsmarktes. Außerdem zeigten die individuellen Bemühungen, über Einzelfalllösungen eine Integration zu erreichen, erste Erfolge. Im “Bewerben nach Maß” ist es gelungen, neben einer modernen, kreativen Form des Bewerbens, auch ein Hauptaugenmerk auf die Anforderungen konkreter Stellen und Profile zukünftiger Arbeitgeber zu legen.

Nach dreijähriger Dauer endete das erfolgreiche Projekt. Für die Projektleitung zeichnete Monika Stoltmann verantwortlich.  Mehrere Betreuer waren innerhalb des Zeitraumes tätig. Große Anteile hatten Petra Langer, Gritt Hinze und Kathrin Bohnebuck. 

Ein neues Geschäftsfeld – die gewerbliche Arbeitsvermittlung

Seit 2002 besitzt der AAfV die Genehmigung zur gewerblichen Arbeitsvermittlung. In den ersten Jahren war diese Aufgabe personell nicht untersetzt, das Anliegen der Vermittlung von Teilnehmern und anderen Arbeitssuchenden in den ersten Arbeitsmarkt wurde aber von mehreren Mitarbeitern, vor allem unseren Stützpunkt- und Projektleitern, die zu vielen regionalen Unternehmen einen sehr guten Kontakt hatten, unterstützt.

Seit 2006 ist Elke Bernau im Unternehmen tätig und widmet sich verstärkt diesem Aufgabenbereich. Grundsätzlich kann jeder Arbeitssuchende die Leistungen in Anspruch nehmen. Sie ist nicht unbedingt an einen Vermittlungsgutschein gebunden. Und es besteht auch die Möglichkeit, dass Arbeitgeber oder Arbeitssuchende selbst für die Vermittlungsleistung aufkommen.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Gewinnung von Arbeitssuchenden. Anschließend wird auf der Grundlage eines Beratungsgespräches mit jedem Klienten eine Eignungsfeststellung vorgenommen und ein persönlichen Qualifikationsprofil erstellt.

Von Elke Bernau werden aber auch Beratungsgespräche mit Arbeitgebern durchgeführt. Sie akquiriert die meisten freien Stellen selbst und wartet nicht, bis ein Arbeitgeber sie meldet. Die dadurch gewonnen Erkenntnisse machen es möglich, dass den Unternehmen die richtigen Arbeitssuchenden vermittelt werden können. Sie widmet sich aber nicht nur der gewerblichen Schiene der Arbeitsvermittlung, sondern unterstützt mit ihrer Arbeit auch die Teilnehmer in den Projekten. Stärken-Schwächen-Analysen und individuelle Beratungsgespräche werden angeboten. Und sie vermittelt Praktika und Probearbeitstage. Die Vermittlungsleistungen werden von den Teilnehmern dankbar angenommen.

In den 20 Jahren des Bestehens des AAfV haben bisher 520 Teilnehmer, sehr oft mit unserer Unterstützung, die Tätigkeit in den befristeten Arbeitsverhältnissen vorzeitig aufgegeben und eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen. 83 Teilnehmer wechselten in eine Aus- oder Weiterbildungsmaßnahme. In den Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (Sozialrechtsverhältnisse) waren es seit Herbst 2004 genau 471 Teilnehmer mit Arbeitsaufnahme bzw. 83 Teilnehmer in Bildung (Stand 30.06.2011).

Arbeitsförderungsgesellschaften fusionieren – AFG tritt AAfV bei

Die Arbeitsförderungsgesellschaft e.V. mit Sitz in Emster-Havel hat die durch sie betreute ABM-Projekte an den AAfV übergeben. Der Verwaltungsaufwand hat sich nicht mehr gelohnt und deshalb hat sich die AFG dem AAfV angeschlossen. Jährlich wurden ca. 30 Langzeitarbeitslose durch die AFG betreut, die Teilnehmer waren überwiegend im Grünbereich tätig.
AFG-Geschäftsführer Werner Eichhorst wurde durch den AAfV ab 01.06.2002 übernommen und betreute, bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 2005, die Teilnehmer in dieser Region weiter.

Radwegeausschilderung im Landkreis Potsdam-Mittelmark

Zwölf Monate – ab August – wurde durch diese Maßnahme die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung im Landkreis Potsdam-Mittelmark durch die Stärkung der touristischen Infrastruktur unterstützt. Ziel war eine einheitliche Gestaltung und Markierung der vorhandenen Rad- und Wanderwege. Die gesamten Arbeiten wurden mit weiteren Trägern im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit ähnlichen Projekten als Basis für die Durchsetzung der einheitlichen Beschilderung koordiniert und vorab natürlich das gesamte Genehmigungs- und Informationsverfahren mit Bürgermeistern, Amtsverwaltungen, Naturschutzbehörden, Forstverwaltungen, Naturparkverwaltungen und Tourismusvereinen sowie mit Grundstückseigentümern abgestimmt.

Durch 5 Teilnehmer einer ABM wurden Bestandsanalysen und Begutachtungen der Radwanderwege im Landkreis Potsdam (Routen, Zustand, Markierungen) durchgeführt.
Die Erarbeitung von Dokumentationen zur Wegführung, touristische Beschreibungen sowie Standortpläne für Wegweiser und Markierungen und die Überarbeitung vorhandener Unterlagen erfolgte ebenfalls. Die Teilnehmer erarbeiteten Inhalte für Hinweisschilder, die auf markante Ausflugspunkte deuteten.
Wegweiser und Infotafeln wurden in der Kuhlowitzer Werkstatt hergestellt, später an den Wegen aufgestellt, die unter anderem die Natur- und Ortsgegebenheiten beinhalteten. Auch wurden Markierungen in Zusammenarbeit mit der Tourismus-Service-Station angebracht. Bagatellschäden an den Radwanderwegen wurden beseitigt bzw. bei ermittelten umfangreicheren Schäden die Reparaturarbeiten veranlasst. Darüber hinaus erarbeiteten die Teilnehmer Vorschläge für neue Radtouren bzw. auch für die Schaffung neuer Radwege.

Burg Rabenstein – das Haupthaus wird übergeben

Am 04.07. konnte nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ein optimal saniertes Gebäude als Jugendgästehaus übergeben werden. Mit dem symbolischen Durchschneiden des roten Bandes durch Minister Wolfgang Birthler und Landrat Lothar Koch wurde das Haupthaus “offiziell” eingeweiht. Bei der Sanierung kam auch so manches zum Vorschein, mit dem niemand gerechnet hatte. Die Baugeschichte muss teilweise neu geschrieben werden. Die Funde waren mitunter einzigartig. Vom Wohlstand früherer Zeit zeugten vor allem aufwendige Malereien, die freigelegt werden konnten. Die meisten Raumgrundrisse sind wohl Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden und noch einmal kurz vor Beginn des 18. Jahrhunderts verändert worden.

Ganz waren die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, als im August 2001 gefeiert wurde – 750 Jahre Burg Rabenstein. Aber die Ergebnisse bis dahin waren schon “sehenswert”, davon konnte sich auch Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe überzeugen, der die Schirmherrschaft für das dreitägige Fest übernommen hatte.

Bernd Schlägel, hat sich persönlich bei der Umsetzung der vielen Arbeiten sehr engagiert, auch Friedwart Neue, Bauamtsmitarbeiter der Amtsverwaltung in Niemegk. Bei der Vorbereitung und Durchführung der Sanierung und der Umsetzung des gesamten Konzeptes stand der Architekt, Manfred Thon, zur Seite. Als Leiter der Herberge hat sich auch Fritz Lintow, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins “Niemegker Land” ist, sehr ins Zeug gelegt. Aber auch Planer, weitere Architekten und Denkmalschützer müssen genannt werden, ebenso wie die zuständigen Mitarbeiter des Landratsamtes und der Amtsverwaltung Niemegk.  Ein Dank gilt allen Fördermittelgebern, den bauausführenden Betrieben und den vielen Helfern, die im Rahmen der Arbeitsförderung tätig waren.
Durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte ein beispielhaftes Ergebnis erreicht werden.

Hohe Auszeichnung für die Burg Rabenstein – AAfV und Architekt Manfred Thon erhalten Denkmalpflegepreis

Der Brandenburgische Denkmalpflegepreis 2002 wurde an den AAfV und an Architekt Manfred Thon aus Wandlitz verliehen. Mit der Auszeichnung, die von Kulturminsterin Johanna Wanka am 28.11. in Potsdam vorgenommen wurde, wurden die Leistungen zur “Rettung” der Burg Rabenstein und deren denkmalverträglichen Umnutzung gewürdigt.
Die Ehrung hatte die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark vorgeschlagen.
Sie wurde damit begründet, dass die Preisträger wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Burg Rabenstein wieder langfristig für die Öffentlichkeit, insbesondere für Kinder und Jugendliche, zur Verfügung steht.

Eveline Vogel wird neue Vereinsvorsitzende des AAfV

Eveline Vogel aus Reetzerhütten, die Stabsleiterin für Kreisentwicklung im Landratsamt, trat im Dezember auf einer Mitgliederversammlung die Nachfolge von Günter Baaske an, der mit seiner Ernennung zum Minister in der brandenburgischen Landesregierung aus dem Ehrenamt ausgeschieden ist.
Sie wird lt. Parlamentsbeschluss des Kreistages die Interessen des Landkreises im AAfV, der seine Tätigkeit inzwischen fast auf den gesamten Landkreis ausgedehnt hat, vertreten.

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AAfV administrator