Yearly Archive: 2000

Jahres-Chronik

2000

Unterstützung des Projektes „Herpeteofauna 2000“  /  Kröten wurden auf ihrer Wanderschaft gerettet

Um Verbreitungskarten der Amphibien und Reptilien in Brandenburg zu aktualisieren und eine zentrale Datenbank für entsprechende Nachweise aufzubauen, wurde das Projekt ins Leben gerufen. Eine ABM startete im März mit 8 Teilnehmern und beinhaltete die vom Aussterben bedrohten Kröten vor weiterer Dezimierung zu schützen und darüber hinaus das Projekt Herpeteofauna 2000 des Landes Brandenburg zu unterstützen, beides von einem hohen öffentlichen Interesse. 
Vor Beginn der Tätigkeit wurden die Teilnehmer durch Mitarbeiter der Naturwacht in die Aufgabe fachspezifisch eingewiesen. Da die Amphibien mitunter kilometerlange Wanderungen zwischen ihren Lebensräumen zurücklegen – im Frühjahr suchen Sie Laichgewässer, wie Teiche, Gräben und überschwemmte Wiesen zur Fortpflanzung auf –  müssen sie zwangsläufig auch Verkehrswege überqueren. Immer wieder werden die vom Aussterben bedrohten Tiere überfahren. Und durch die Zunahme der Verkehrsdichte nimmt auch die Gefährdung weiter zu.
Die ersten Arbeiten beinhalteten das Freischneiden der Standorte für die Krötenschutzzäune, daran anschließend wurden die kleinmaschigen Zäune an den stark befahrenen und gefährlichsten Stellen errichtet. Schließlich wurden an den Zäunen Eimer zum Auffangen der Tiere eingegraben. Kröten sind nachtaktiv und mit Einsetzen der Dämmerung beginnen sie ihre Wanderung. Somit war ihre Anzahl in den Morgenstunden größer als am Nachmittag.
Zweimal täglich wurden die gefüllten Eimer mit den Kröten über die Straßen und Wege getragen und auf der anderen Seite wieder ausgesetzt. Es wurde sehr darauf geachtet, dass die Tiere nicht mit der bloßen Hand angefasst werden. Sie mögen den Kontakt mit menschlicher  Haut nicht gerne.
Viele Erdkröten und grüne Kröten konnten auf diese Weise gerettet werden.
Im Zusammenhang mit der Tätigkeit erfolgte die Zählung und Katalogisierung der Tiere. Voraussetzung hierfür waren umfangreiche Artenkenntnisse. Auch hier erfolgte vorab bzw. direkt bei der Arbeit die Unterstützung der Naturwacht, die diese Kenntnisse vermittelten. Die Arbeiten wurden sorgfältig ausgeführt und die Erfassungsbögen vollständig übergeben.
Vor dem Ende der einjährigen Maßnahme, im Februar 2001, wurde nochmals Unterstützung für die Vorbereitung der neuen Krötenwanderung gegeben, indem die Schutzzäune vorsorglich aufgestellt und, falls erforderlich, repariert wurden.

Als zweite Teilleistung der Maßnahme wurde der Abbau von Wildschutzzäunen an Hecken (Biotopverbundsystemen) ausgeführt, die durch Teilnehmer eines AAfV-Pilotprojektes bereits in den Jahren 1994/95 errichtet und durch die Zäune gesichert wurden. Biotopverbundsysteme sind wertvolle und sensible Bereiche, die dem Schutz seltener Tiere und Pflanzen dienen. Die Heckenpflanzen sind im Aufwuchs nach 5 Jahren Vegetationszeit ohne Zaun für das weitere Fortkommen gesichert. Die Arbeiten erfolgten im Biotopverbund Reppinichen.
Durch die Teilnehmer wurden, wie vorgesehen, 10.600 laufende Meter Zaun an Strauchhecken abgebaut und das Rückbaumaterial ordnungsgemäß entsorgt. Die nicht mehr benötigten Zaunpfähle wurden zu Brennholz verarbeitet. Nachdem die Zauntrassen frei geschnitten und die Hecken von Unrat befreit wurden, bleibt nun künftig der neugeschaffene Lebensraum für Pflanzen und Tiere naturbelassen und frei zugänglich.

Aufbau einer Schaubrennerei in der “Alten Brennerei” des ehemaligen Gutshofes in Golzow 

Der italienische und französische Branntwein konnte aus Deutschland erst verdrängt werden, nachdem es um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelungen war, Branntwein in größeren Mengen aus Korn herzustellen. Die Kornbrennerei ist damit das älteste deutsche Brennereigewerbe. Die Ahnen des Kornbrenners waren deutsche Bauern in den Getreidegegenden Deutschlands und die ersten Kornbrennereien landwirtschaftliche, mit dem Bauernhof eng verbundene Betriebe.
Für die Bauern selbst war die Kornbrennerei eine notwendige Ergänzung ihres landwirtschaftlichen Gewerbes, ein Mittel zur Verwertung des Ernteüberschusses und vor allem zur Erzeugung des Kraftfuttermittels “Schlempe”, ein Abfallprodukt in Brennereien.

Durch den Aufbau einer Schaubrennerei erhielt Golzow einen viel versprechenden touristischen Anziehungspunkt, der sich als wichtiger Bestandteil im Verbund mit den Museen in Reckahn, Grebs, Cammer und Emstal einreiht.
Ziel und Zweck einer ersten ABM, sie startete im März für ein Jahr, war es, das Gewerbe des Alkoholbrennens für Einwohner und Touristen erlebbar zu machen. Dabei bestand der Schwerpunkt darin, die Geschichte der Brennerei bis zu ihren Anfängen zurückzuverfolgen und zu dokumentieren. Ein Studium der vorhandenen Literatur, das Einholen von Informationen zum Aufbau einer Schaubrennerei, der Besuch anderer Museen, Archive und Bibliotheken sowie Befragungen von Zeitzeugen, das waren die ersten Arbeiten von zwei  Teilnehmern. Ihnen folgte das Zusammenstellen von Textmaterial mit der entsprechenden Gestaltung. Diese waren auch Grundlage bei der Planung, Gestaltung und dem späteren Betreiben. Schließlich erfolgten Vorbereitungen und Textentwürfe für die Schautafeln, einer Power-Point-Präsentation und einer Bilddokumentation.
Da im vorgegebenen Zeitraum nicht alle erforderlichen Maßnahmen erledigt werden konnten, und somit wesentliche Voraussetzungen zum Aufbau der Schaubrennerei fehlten, war es notwendig, die Maßnahme erneut zu beantragen. Wiederauflagen erfolgten dann im März 2001 und nochmals im September 2002, jeweils für ein Jahr, und mit einem Teilnehmer.
Hier standen dann weitere Aufgaben im Mittelpunkt, so die Anschaffung und Aufarbeitung alter Gerätschaften. Eine Brennblase, ein Kühlwasserfass, Feindestille, Dampferzeuger wurden in Heilbronn ausfindig gemacht und erworben.

Im September 2002 war es dann soweit. Das Brennereimuseum wurde eröffnet. Ein Gang durch das neue Museum ist ein Erlebnis. Ein Raum wurde der alkoholischen Gärung gewidmet. Schautafeln und bildliche Darstellungen liefern eine Fülle von Informationen. Besonders beeindruckend sind die Apparaturen, wenn sie mit sachkundigen Erklärungen begleitet werden.
Ein Dankeschön gilt vor allem Klauspeter Sachse, ein Teilnehmer, der am Aufbau besondere Verdienste hatte.
Ein zweiter Raum wurde von Mitgliedern des Heimatvereins Golzow mit Exponaten gestaltet. Das Museum wird von Besuchern und auch Einheimischen stark frequentiert.

Bis 2010 unterstützten Teilnehmer im Rahmen der Arbeitsförderung das Museum, vor allem die Besucherbetreuung und Aufrechterhaltung der Öffnungszeiten. Durch die Reduzierung der öffentlichen Mittel konnten diese nicht mehr gesichert werden. Zur Zeit ist das Museum geschlossen. Bleibt zu hoffen, dass der Heimatverein eine Lösung zur Weiterbereibung findet.

Vorbereitende Arbeiten für die Einrichtung eines Backofenmuseums in Emstal

Der Ort Emstal, 3 km entfernt von dem durch das Zisterzienserkloster bekannten Lehnin, liegt eingerahmt von Mischwäldern, an einem kleinen See und in einer sehr reizvollen Landschaft.
Ein Backofenfest zieht einmal im Jahr ca. 2.000 Besucher in diese Gegend.
Die Lehmbacköfen auf dem Dorfplatz des kleinen Ortes wurden bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts regelmäßig von den Dorfbewohnern zum Backen ihres Brotes genutzt. Bereits 1983 restaurierte eine Interessengemeinschaft “Backofen” die zerfallenden Backstätten und stellten einen Ofen wieder bis zur Funktionstüchtigkeit her.
Seit dieser Zeit wird das alljährliche  Fest für Einheimische und Gäste veranstaltet. Höhepunkt   war und ist das Backen von “Kugelbroten”. Aber auch das wachsende Interesse der Besucher, Informationen über die Tradition des Backens und die Geschichte der Lehmöfen zu erhalten, war in den letzten Jahren sehr stark erkennbar.
Mit der Einrichtung eines Backofenmuseums sollten ganzjährig Touristen und Interessenten die Möglichkeit haben, alte Handwerksgeräte des Brotbackens zu besichtigen, sich über Alter, Aufbau und Funktion der Lehmbacköfen zu informieren und den Vorgang des Brotbackens mitzuerleben.
Aufgabe eines ABM-Projektes ab Juni war es, Arbeiten zu übernehmen, die in Vorbereitung des Umbaus des vorgesehenen Gebäudes und der Einrichtung des Museums entstehen. Drei Teilnehmer waren für sieben Monate tätig.
Es wurden Informationen zusammengetragen über die Geschichte des Brotbackens allgemein und in Emstal speziell. Vorhandene Utensilien und Leihgaben wurden zusammengestellt und kleine Reparaturen an altem Gerät durchgeführt.
Ebenfalls wurde das künftige Museumsgebäude und das umliegende Gelände entrümpelt. Vorbereitende Tätigkeiten für nachfolgende Gewerke, wie Tischler, Fußbodenleger und Maler wurden durch die Demontage der Fenster und Türen und Aufnehmen des alten Fußbodens erledigt. Pflasterarbeiten auf dem Festplatz wurden unterstützt. Vor dem Museum und auf dem Dorfplatz wurden Sitzgruppen aufgestellt.

Im Juni 2001 wurde das einzige Backofenmuseum in unserer Region schließlich eröffnet. Bäckereimaschinen, Küchengeräte und Utensilien des Bäckerhandwerks und der Hausbäckerei können bewundert werden und man kann viel wissenswertes rund um das Backen erfahren.
An traditionellen Feiertagen, Karfreitag, Himmelfahrt, Pfingsten sowie am 03.Oktober, findet in den 150 Jahre alten Lehmbacköfen das traditionelle Schaubacken statt. Die Gäste können zusehen, wie einst zu Großmutters Zeiten der Teig zubereitet und Brot und Kuchen gebacken wurde.
Die Maßnahme war wieder ein Beispiel dafür, dass Arbeitsförderung und Facharbeiten, von Firmen ausgeführt, durchaus kombinierbar sind.

Rohrweberei Pritzerbe – die ersten Maßnahmen beginnen

Es geht um die Erhaltung eines alten Handwerks, des Rohrwebens, und die Schaffung eines touristischen Anziehungspunktes für die Region. Der Standort am Rande des Pritzerber See`s und des Naturschutzgebietes “Untere Havel Süd” ist hervorragend geeignet, um den sanften Tourismus zu fördern und Besuchern einen Einblick in das alte traditionelle Handwerk des Schilfrohrwebens zu ermöglichen.

Ein kommunales Grundstück der Stadt Pritzerbe, das bis 1998 an einen der letzten Rohrweber in Brandenburg verpachtet war, stand zur Verfügung. Ein Jahr danach hat dann das Lehniner Institut für Weiterbildung das völlig marode Gebäude mit Fördermitteln um- und ausgebaut und ab August 2000 waren dann erstmalig sieben Teilnehmer in einem ABM-Projekt unter Federführung des AAfV tätig, befristet für ein Jahr.

Die ersten Arbeiten waren vorerst nur als vorbereitende Reparatur- und Sanierungsarbeiten im Außenbereich zu verstehen. Von den Teilnehmern wurden Tätigkeiten durchgeführt; wie die Geländebearbeitung durch Begehbarmachung von weiteren Flächen, die Erweiterung des Zuganges zum gesamten Areal, die Beräumung des Geländes und die Beseitigung von Fremdwuchs.
Wenn die Seen zentimeterdick zugefroren sind, ist Erntezeit im Westhavelland. Fast täglich ging man in früheren Zeiten mit der Sense aufs Eis, vorausgesetzt es hielt.
Auch während der Maßnahmedauer erfolgte das Schilfschneiden auf den genehmigten Flurstücken. Aber ohne Sense, sondern mit einem Schilfschneider – eine Eigenkonstruktion. Anschließend wurden  Schilfrohrmieten, auch Hocken genannt,  aufgestellt und schließlich das Schilf fachgerecht zum Schutz vor Witterungseinflüssen eingelagert. Es folgte das Sortieren, Schälen und Vorbereiten des Schilfs als Rohstoff zur Weiterverarbeitung. Aktuell beträgt die selbst angebaute Fläche an asiatischen Schilf (Miskanthus) ca. 1.400 Quadratmeter.

Die Teilnehmer wurden in das Handwerk des Rohrwebens und -verarbeitens eingeführt und angelernt. Auf den alten, aber noch funktionstüchtigen Webstühlen werden dann Schattendecken, Dekorationsgewebe und alles andere aus Schilf zu Gebrauchgut gewebt. Aber auch die Pflege und Wartung der Anlagen – Handwebstühle, mechanische Webstühle sowie Schilfschneidegeräte und Rohrwebstühle – war erforderlich.
Erste Vorbereitungsarbeiten für die Außenanlagen wurden geplant, zum Beispiel für naturnahe Spiel- und Erlebnisräume, wie Spiellandschaften mit Weidenhütten, Spielhügel und Spielgruben. Sie wurden in den Jahren danach realisiert, wie auch die Sammlung und Aufbereitung von Naturmaterialien und die Herstellung von Anschauungsmaterial. Viele Erlebnisse wurden auch durch die Natur selbst geschaffen, zum Beispiel ein kleiner Weidenpalast mit seinen Durchgängen und Labyrinthen.
Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten wurden auch in den Jahren danach Arbeiten in der Rohrweberei realisiert. Workshops und Projekttage mit Schulen werden organisiert und durchgeführt. Besucher können sich selbst beim Weben, natürlich unter fachlicher Anleitung, ausprobieren. Auch Kurse in anderen Handwerkstechniken werden angeboten – Bogenbau, Töpfern, Leder punzieren und vieles mehr. Und ein Kräutergarten bietet die Möglichkeit die eigenen Kenntnisse zu erweitern. Mit Kindern wird gebastelt, sie können sich aber auch auf dem naturnahen Kinderspielplatz austoben.
Aber auch die Nichtaktiven können sich auf dem 1 ha großen Gelände der Rohrweberei gut entspannen und mit einem Blick auf den Pritzerber See einfach die Seele baumeln lassen.

Landschaftsgerechte Einpassung kommunaler Ablagerungen

Teilnehmer in der Arbeitsförderung unterstützten in mehreren Ämtern die Schließung von Deponien.
Erstmals begannen im Oktober zwei ABM im Amtsbereich Belzig mit 20 und im Amtsbereich Brück mit 12 Teilnehmern, jeweils für ein Jahr. Die Arbeiten wurden unter der fachtechnischen Anleitung eines Ingenieurbüros und in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbehörden realisiert.
In den unmittelbaren Standortumgebungen wurden festzustellende Abfälle abgesammelt, sortiert und klassifiziert sowie gleichzeitig Vorbereitungen einer umweltgerechten Entsorgung getroffen. Das traf auch auf die Deponien selbst zu, wo Schrott, Plastik, Holz, Altreifen und Batterien abgesammelt und für die Entsorgung mittels Container vorbereitet wurden. Büsche und Bäume wurden aus den Restlochbereichen entfernt und Flächen freigeschnitten, um die notwendige Baufreiheit zu schaffen. Die Restlöcher wurden mit vor Ort lagernden mineralischen Materialien aufgefüllt. Die vollständige Abdeckung der Standorte erfolgte mit einer ca. 0,30 m starken Bodenschicht. Umzäunungen wurden zurückgebaut, notwendige Reparaturarbeiten entsprechend dem Konzept ausgeführt und geeignete natürliche Abgrenzungen erstellt.
Die Ergebnisse wurden durch die untere Abfallbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark, den Ämtern Belzig und Brück und dem Landesumweltamt ohne Mängel abgenommen. Durch das positive Echo, das bereits während der Maßnahmen zu verzeichnen war, wurden weitere Maßnahmen beantragt.

Im Juli 2001 begann eine ABM mit 8 Teilnehmern für 22 Monate auf Deponien im Amtsbereich Lehnin und 10 Teilnehmer waren vom August 2001 für 17 Monate im Amt Ziesar im Einsatz. Auch im Jahre 2003 wurde noch eine Maßnahme bewilligt. Zwei 10-Mann-Teams waren für jeweils 6 Monate auf dem 1,7 ha großen Areal am Borner Weg in Wiesenburg tätig. Die Maßnahmen hatten eine positive Resonanz in der Öffentlichkeit, Gefahren für die Umwelt wurden minimiert und gleichzeitig ein Beitrag zur landschaftlichen Aufbesserung geschaffen. Sie dienten der Entwicklung neuer Biotope und schafften Lebensräume für Pflanzen und Tiere.